Die gesundheitsfördernden Wirkungen von Olivenöl sind heute wissenschaftlich weithin anerkannt. Als wichtigste Zutat der mediterranen Küche wird Olivenöl oft als «flüssiges Gold“ bezeichnet. Doch abgesehen von seinem zarten Aroma und seinem köstlichen Geschmack in der Küche – was bringt es unserem Körper tatsächlich? Ist es nur ein einfaches Würzmittel oder ein echter Wellness-Wirkstoff?
Wissenschaftler haben sich dieser Frage im Rahmen zahlreicher gross angelegter Studien gewidmet. Das Ergebnis: Seine positiven Wirkungen sind kein Mythos. Hier sind die wichtigsten wissenschaftlichen Belege, die zeigen, warum die Einbeziehung von nativem Olivenöl extra in den Alltag eine der besten Entscheidungen für Ihre Gesundheit ist.
Eine seit der Antike heilige Medizin
Die wohltuende Wirkung von Olivenöl ist keine neue Entdeckung. Die medizinische Verwendung von Olivenöl hat eine lange Tradition. Bereits in der Antike und im Mittelalter sahen die grössten Ärzte der Geschichte darin weit mehr als nur eine einfache Zutat in der Küche. Hippokrates, der Vater der griechischen Medizin, empfahl es bereits zur Behandlung zahlreicher Beschwerden, von Hautproblemen bis hin zu Muskel- und Verdauungsbeschwerden.
Später, im 11. Jahrhundert, räumte ihm der grosse Arzt und Gelehrte Ibn Sina (Avicenna) in seinem berühmten «Kanon der Medizin“ einen herausragenden Platz ein. Darin beschrieb er präzise seine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem, seine entzündungshemmenden Eigenschaften für die Gelenke und seine schützende Rolle für die Verdauung. Dieses enzyklopädische Wissen, das über 600 Jahre lang in Europa und im Orient als medizinisches Nachschlagewerk diente, hat die Jahrhunderte überdauert… bis die moderne klinische Forschung die Beobachtungen dieser Pioniere bestätigte.
Die positiven Auswirkungen von Olivenöl auf das Herz: ein Schutzschild gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Die am besten dokumentierte Wirkung von Olivenöl betrifft das Herz-Kreislauf-System. Es ist aussergewöhnlich reich an einfach ungesättigten Fettsäuren (vor allem Ölsäure) und an starken Antioxidantien, den sogenannten Polyphenolen. Dieser Mechanismus veranschaulicht sehr gut einen der wichtigsten Vorteile von Olivenöl für die Herzgesundheit.
Was die PREDIMED-Studie (2013) sagt: Diese gross angelegte klinische Studie, die an über 7.400 Teilnehmern mit hohem kardiovaskulärem Risiko durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass eine mit nativem Olivenöl extra angereicherte mediterrane Ernährung das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (Schlaganfälle, Herzinfarkte) im Vergleich zu einer fettarmen Ernährung um 30 % senkt.
Eine natürliche entzündungshemmende Wirkung, vergleichbar mit Ibuprofen
Einer der überraschendsten Vorteile von Olivenöl ist seine natürliche entzündungshemmende Wirkung. Chronische, schleichende Entzündungen sind der Nährboden für zahlreiche heutige Erkrankungen (Typ-2-Diabetes, Arthritis, Herzerkrankungen). Natives Olivenöl extra enthält einen einzigartigen phenolischen Wirkstoff: Oleocanthal.
Was die Wissenschaft sagt: Forscher haben herausgefunden, dass Oleocanthal eine hemmende Wirkung auf die Enzyme COX-1 und COX-2 hat und dabei genau den Wirkmechanismus von Ibuprofen nachahmt. Der tägliche Verzehr von Olivenöl trägt somit dazu bei, Mikroentzündungen im Körper auf natürliche Weise zu neutralisieren.
Nachweislicher Schutz für das Gehirn und das Gedächtnis
Zu den am besten erforschten positiven Wirkungen von Olivenöl zählt seine schützende Wirkung auf das Gehirn. Die im Olivenöl enthaltenen Polyphenole schützen das Hirngewebe zudem vor oxidativem Stress.
Was die Harvard-Studien (2022 und 2024) zeigen: Untersuchungen der Harvard T.H. Chan School of Public Health an über 90.000 Erwachsenen über einen Zeitraum von fast 30 Jahren haben ergeben, dass Menschen, die täglich mehr als 7 Gramm Olivenöl (etwa einen halben Esslöffel) zu sich nahmen, ein um 28 % geringeres Risiko für eine tödlich verlaufende Demenz hatten als diejenigen, die selten oder gar kein Olivenöl konsumierten.
Eine natürliche Regulierung des Blutzuckerspiegels
Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil von Olivenöl: seine Rolle bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels. Entgegen der landläufigen Meinung über Fette verbessert Olivenöl die Insulinsensitivität und trägt zur Regulierung des Blutzuckerspiegels bei.
Was die Metaanalysen zeigen: Eine umfassende Auswertung mehrerer kontrollierter Studien hat ergeben, dass der regelmässige Verzehr von Olivenöl das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, deutlich senkt und Diabetikern hilft, ihren Nüchternblutzuckerspiegel besser zu stabilisieren.
Zusammenfassung
Letztendlich sind die gesundheitlichen Vorteile von Olivenöl vielfältig und wissenschaftlich belegt. Ein Schuss natives Olivenöl extra über Ihr Gemüse, Ihre Salate oder Ihre warmen Gerichte zu geben, ist nicht nur ein Genuss für den Gaumen, sondern auch eine echte, wissenschaftlich belegte Vorsorgemassnahme im Alltag.
Quellen
- Corpus Hippocraticum (5.–4. Jahrhundert v. Chr.)
- Ibn Sina, Der Kanon der Medizin (Al-Qānūn fī al-Ṭibb), 11. Jahrhundert
- Estruch, R., et al. « Primary Prevention of Cardiovascular Disease with a Mediterranean Diet Supplemented with Extra-Virgin Olive Oil or Nuts. » New England Journal of Medicine, 2013.
- Beauchamp, G. K., et al. « Phytochemistry: Ibuprofen-like activity in extra-virgin olive oil. » Nature, 2005.
- Tessier, A. J., et al. « Consumption of Olive Oil and Risk of Dementia-Related Death. » JAMA Network Open, 2024.
- Schwingshackl, L., et al. « Dietary fatty acids in the management of type 2 diabetes: a meta-analysis of randomized controlled trials. » European Journal of Nutrition, 2017.

